Im Namen der Neutralität – Wie eine Verwaltung Kunst aussortiert und was das mit Satire zu tun hat
Die Licht- und Soundinstallation „Hallender Hass“ sollte beim Lichtkunst-Festival Goldstücke gezeigt werden. Die Stadt Gelsenkirchen lud sie aus und berief sich auf das Neutralitätsgebot. Auf Nachfragen der Künstlerin antwortete die Verwaltung erst ausweichend, dann widersprüchlich – die Begründungen verschoben sich von Mal zu Mal.
Was die Stadt einer Künstlerin gegenüber offenließ, konnte sie einem Mitglied des Rates gegenüber nicht: Marc Meinhardt, Stadtverordneter der Partei Die PARTEI in Gelsenkirchen, machte von seinem Frage- und Auskunftsrecht Gebrauch. So wurden öffentlich Antworten aktenkundig, die der Künstlerin zuvor verweigert worden waren.
„Hallender Hass“ ist Kunst, keine Satire. Aber der Fall geht uns als Satiriker:innen trotzdem etwas an. Denn wo eine Verwaltung ohne Weiteres in die Freiheit der Kunst eingreift, wird sie keine Hemmungen haben, das auch bei satirischer Arbeit zu tun. Das Neutralitätsgebot bindet den Staat, nicht die Kunst – und was Kunst oder Satire darf, entscheidet nicht die Verwaltung.
An diesem Abend berichten Marc Meinhardt und Melisa Kujević, wie aus einer Ausladung ein Fall wurde. Sie zeigen, dass verbändeübergreifende Kooperationen funktionieren: ein Mandat in der Kunst, eins im Rat, über Stadt- und Ländergrenzen hinweg. Wenn es um die Freiheit der Kunst und der Satire geht, darf man auch mal realpolitisch werden.
Ein Vortrag von Marc Meinhardt & Melisa Kujević
Ort: Gelsenkirchen, Veranstaltungsort wird noch bekannt gegeben
